Sabrina Schenk - Professorin für Allgemeine und Systematische Pädagogik
Womit beschäftigt sich eine Professorin für Allgemeine und Systematische Pädagogik eigentlich genau?
Beispielsweise mit Prozessen der Erziehung, Bildung oder Sozialisation in ihrer praktischen Gestaltung und ihrer historischen Entstehung. Allgemein ist diese Forschung, weil dabei alle gesellschaftlichen, sozialen oder kulturellen Bedingungen zum Thema werden können, unter denen pädagogisches Handeln stattfindet. Historisch rekonstruiert sie die Herkunft unserer pädagogischen Begriffe, Praktiken und Institutionen, damit wir ihre Entstehungsbedingungen verstehen und gleichzeitig sehen, wie veränderbar sie sind. Systematisch forscht sie, indem sie unterschiedliche Aspekte und Entwicklungen zueinander in Beziehung setzt und sie unter Begriffe bringt, mit deren Hilfe wir unsere Gegenwart klarer beschreiben und beurteilen können.
Was an Ihrer Arbeit finden Sie besonders gesellschaftlich relevant?
Die Nachdenklichkeit, die gute Theorie verlangt. In einer Zeit, die vor allem das „Machen“ privilegiert, steht die Theoriearbeit als gesellschaftliche Leistung nicht besonders hoch im Kurs und wird häufig als „zu abstrakt“ abgetan. Viele drängende gesellschaftliche Probleme – etwa der Klimawandel – sind jedoch aus einem eingeengten technologischen und ökonomischen Handlungsfokus entstanden. Da heraus führt uns nur eine Unterbrechung dieses Tuns, nämlich durch kritische Analyse und Reflexion. Re-Flexion ist ja wörtlich das Zurückbeugen, und zwar auf sich selbst in der Form des Nach-Denkens. Die Gesellschaft hat also aus meiner Sicht gerade kaum etwas nötiger als nachdenkliche Menschen, die pädagogische Begriffe als präzise Instrumente für die Analyse ihrer Gegenwart anwenden können.
Was gefällt Ihnen bisher an der Uni Graz, an unserem Institut und in Graz allgemein besonders gut?
Der Reihe nach: An der Uni Graz begeistert mich die Vielfalt der wissenschaftlichen Themen und Formate, wo ich viele Anknüpfungspunkte und große Schnittmengen finde; am Institut habe ich schnell eine Kollegialität erlebt, dank der wir alle gut miteinander ins Gespräch gekommen sind; und in Graz hat meine kulinarische Feldforschungsphase in den Konditoreien und Bäckereien schon seit Tag eins begonnen. Die hohe Wertschätzung und Qualität des Essens im Allgemeinen faszinieren mich – gefühlt sind Cafés und Restaurants 24/7 gut besucht!
Maria Stimm - Professorin für Erwachsenen- und Weiterbildung
Womit beschäftigt sich eine Professorin für Erwachsenen- und Weiterbildung eigentlich genau?
Die Erwachsenen- und Weiterbildung ist ein ‚weites Feld‘, das zahlreiche Themen und Perspektiven umfasst. Als Wissenschaftlerin schätze ich diese vielfältigen Möglichkeiten. Meine Forschungsschwerpunkte haben sich daher im Laufe der Zeit entwickelt.
Mich interessieren zum Beispiel die Handlungsfelder ‚Beraten‘ und ‚Planen‘: Wie gestalten Berater*innen in verschiedenen Settings ihr Handeln professionell? Welche Methoden nutzen sie in der Interaktion mit Ratsuchenden? Wie verankern Programmplaner*innen und Bildungsmanager*innen gesellschaftsrelevante Themen in Bildungsprogrammen?
Ein aktueller Fokus meiner Arbeit liegt auf dem Lernen Erwachsener im Kontext gesellschaftlicher Transformation: Wie wird zum Beispiel die Klimakrise für Erwachsene zum Lernanlass? Welche Rolle wird Bildungseinrichtungen in Transformationsprozessen zugeschrieben?
Was an Ihrer Arbeit finden Sie besonders gesellschaftlich relevant?
Erwachsene sind die größte gesellschaftliche Gruppe. Sie gestalten politische, wirtschaftliche, soziale sowie kulturelle Prozesse und treffen Entscheidungen, die sich auch auf zukünftige Generationen und jüngere Altersgruppen auswirken.
Die Erwachsenen- und Weiterbildung unterstützt sie dabei, sich mit intergenerationellen, gesellschaftlichen und individuellen Herausforderungen auseinanderzusetzen und Prozesse zu reflektieren. Gleichzeitig eröffnet sie Partizipationsräume für verschiedene Altersgruppen im Erwachsenenalter und marginalisierte Gruppen. Die professionelle Gestaltung der Handlungsfelder der Erwachsenen- und Weiterbildung ist daher von zentraler gesellschaftlicher Relevanz. Vorgelagert ist dem jedoch die Bereitstellung des Zugangs zu Bildung und Teilhabe für Erwachsene jedweden Alters.
Was gefällt Ihnen bisher an der Uni Graz, an unserem Institut und in Graz allgemein besonders gut?
Ich wurde am Institut sehr herzlich und unterstützend aufgenommen, was mir den Einstieg erleichtert hat. Besonders schätze ich die vielfältigen inhaltlichen Schwerpunkte am Institut und an der Universität, die viele Schnittmengen mit meinen eigenen Forschungsthemen aufweisen. So spielen auch genderspezifische Fragestellungen und ‚Wissenschaftskommunikation‘ als erwachsenenpädagogisches Handlungsfeld eine zentrale Rolle in meinen Forschungsarbeiten. Nicht nur zu diesen Themen, sondern auch zu meinen anderen Forschungsschwerpunkten sehe ich zahlreiche Möglichkeiten der Zusammenarbeit.
Graz ist für mich nicht nur ein Arbeitsort, sondern soll auch ein Ort zum Leben werden. Ich entdecke die Stadt gerade von ihren verschiedenen Seiten. Nicht jede Stadt könnte ich mir als Ort zum Leben vorstellen – Graz aber schon.