Projekte
Unter dem Titel "Auf der Spurensuche der Erinnerung. Künstlerisch-kreative Wege der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit" haben wir bei der diesjährigen Ausschreibung der Green Academia Award-Mittel neben anderen Einreichungen gewonnen und freuen uns auf ein Erinnerungsprojekt mit Studierenden und für unser neues Institutsgebäude ab Februar 2027.
Studierende des Bachelors und der Masterstudiengänge erarbeiten nach einer inhaltlichen Einführung in das Thema (Grazer) Pädagogik und Nationalsozialismus gemeinsam mit dem „Verein Granatapfel“ sowie einer Künstlerin Wege des Erinnerns, die in unterschiedlichen kreativen Formen ihren Ausdruck finden werden. Im Zuge des Umzugs in den neuen Standort sollen diese für Erinnerungsarbeit nutzbar gemacht werden.
→ Die Teilnahme am Projekt kann für die Freien Wahlfächer mit 2 ECTS angerechnet werden!
→ Es gibt Plätze für maximal 10 Studierende!
Termine:
- 5. Oktober 2026: 11:00 bis 14:00 Uhr; einführende Veranstaltung für die teilnehmenden Studierenden (Kontext, historischer Hintergrund, Geschichte des Instituts, Hochschulpädagogik und NS …) – Abhaltung: Dr.in Verena Marchner
- 13. Oktober 2026: 9:00 bis 13:00 Uhr – Workshop zum Thema Erinnerungsarbeit und Antisemitsmusprävention von Granatapfel Kultuvermittlung, Mag. Thomas Stoppacher (Teil 1 für die teilnehmenden Studierenden)
- 20. Oktober 2026: 9:00 bis 13:00 Uhr – Workshop Erinnerungsarbeit und Antisemitismusprävention von Granatapfel Kulturvermittlung, Mag. Thomas Stoppacher (Teil 2, vermutlich Museum für Geschichte)
- 9. November 2026: 11:00 bis 16:00 Uhr – Kick-off mit Heidrun Primas mit den Studierenden (Ort: Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft)
- Weitere Termine: jeweils montags, 11:00 bis 16:00 Uhr (16.11./23.11./30.11./7.12.; Orte werden noch fixiert)
Leiterin des Erinnerungsprojekts: Heidrun Primas, Kulturakteurin
Bei Interesse bitte um Anmeldung an: erinnern.ebw(at)uni-graz.at
Zum Abriss zur Geschichte des Instituts geht es hier.
Ab Herbst 2026 werden wir uns, finanziert aus Mitteln des Kulturamtes des Stadt Graz, bisher unbeachteten Archivalien widmen, die noch mehr Aufschluss geben können über die Zeit unseres Instituts im Austrofaschismus, in und nach der NS-Zeit.
Das Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft wird im Februar 2027 von der Merangasse auf den Hauptcampus der Universität Graz ziehen. Dort wird das Gebäude am Universitätsplatz 4, das über die Jahrezehnte u.a. die Gerichtsmedizin, die Pharmazie, das Hygiene-Institut und weitere medizinische Institute sowie einen Leichenkeller beherbergte, renoviert und zukünftig sowohl die Erziehungs- und Bildungswissenschaft als auch das Institut für Bildungsforschung und PädagogInnenbildung unter einem Dach vereinen. Das Gebäude gilt als belastet: Im Zuge der Planung der baulichen und institutionellen Veränderungen des Gebäudes wurde die Biografie eines Mannes beleuchtet, der als überzeugter Anhänger des Nationalsozialismus sowohl in der Zeit der Naziherrschaft als auch in der Nachkriegszeit als Universitätslehrer an der dort untergebrachten Gerichtsmedizin unterrichtete bzw. dem Institut vorstand: der aus Wien kommende prononcierte Nationalsozialist Anton Werkgartner. Im zweiten Obergeschoß im Hörsaal HS 04.21 fand sich ein Mosaik mit dem Portrait von Werkgartner (1890–1970). Dieses Erinnerungszeichen zu seinen Ehren wurde 1963 vom steirischen Künstler Fritz Silberbauer geschaffen und war erst in den letzten Jahren durch einen Vorhang verdeckt.
Werkgartner war seit 1936 Mitglied der NSDAP, der SA und später auch des NS-Dozentenbundes und NS-Rechtswahrerbundes. Von 1941 bis 1943 war er im für Zwangssterilisationen zuständigen Erbgesundheitsgericht und ab 1943 im Erbgesundheitsobergericht tätig. Bereits während des Austrofaschismus galt er unter Nationalsozialisten als förderungswürdig und sollte demgemäß auch die Professur für Gerichtsmedizin in Wien übernehmen. Nachdem dies jedoch nicht realisiert werden konnte, erhielt er 1939 die Stelle in Graz. Nach dem Ende der NS-Herrschaft wurde er auf Grund seiner NS-Vergangenheit 1946 entlassen, jedoch schon 1948 von den Sühnemaßnahmen befreit und mit 1950 wieder in den Dienst genommen. 1956 wurde er zum ordentlichen Professor ernannt und besetzte diese Professur bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1961. Auf Werkgartner folgte schließlich 1962 sein Assistent Prof. Wolfgang Maresch, der 1963 die Würdigung Werkgartners durch das oben besprochene Mosaik vorantrieb. Neben Werkgartner wirkten im Gebäude in den Jahren vor und während des Nationalsozialismus ganz unterschiedlichen Personen, die einerseits vom NS-Regime verfolgt wurden (z.B. Nobelpreisträger Otto Loewi, Gerichtsmediziner Walter Schwarzacher) oder die rassistische, biologistische Lehren verbreiteten. So unter anderem der Hygieniker Heinrich Reichel, der schon in den späten 1930er Jahren Lehrveranstaltungen zur Sozial- und Rassenhygiene abhielt und der maßgeblich an der akademischen Verankerung von Eugenik und Rassismus in Österreich beteiligt war. Gerade die Rassenhygiene bildete den Anknüpfungspunkt von Pädagogik/Erziehungsideologie und Medizin, in ihrer unsäglichen Verbindung die Vorstufe zur Euthanasie-Aktion und Judenvernichtung. Somit schließt sich vom neuen Gebäude auch der Bogen zur Pädagogik und zu Otto Tumlirz, der am Pädagogik-Institut in der NS-Zeit die Rassenhygiene in seinen Vorlesungen vertrat.
Den bevorstehenden Umzug an einen historischen Ort, der in seiner Bedeutung für das Erinnern angesichts des fast vollzogenen Abschieds von den Zeitzeug*innen immer wichtiger wird, nimmt das Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft zum Anlass, bisher unbeachtete Forschungslücken der eigenen Institutsgeschichte zu schließen sowie im Sinne der Gegenwarts- und Zukunftsorientierung Implikationen für eine lebendige Erinnerungskultur am Institut für Mitarbeitende und für Studierende als zukünftige Praktiker*innen herauszuarbeiten.
Parallel dazu wird vonseiten der Universitätsleitung und unter der Ägide des Centrums für Jüdische Studien gemeinsam mit dem Verein Rotor ein Kunstwettbewerb durchgeführt - die KünstlerInnen haben bereits ihre Ideen eingereicht (Stand Juni 2026) und im Sommer findet die Jury-Sitzung statt, bei der auch das Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft vertreten sein wird.
Im Gebäude sollen Orte der Erinnerung, der Reflexion und der Aktivierung für die Zukunft geschaffen werden, begleitende Workshops heben den partizipativen Charakter dieses Wettbewerbs hervor. Präsentiert werden sollen die Ergebnisse im Herbst 2027.
Exkursion in den Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim 2026
Am 16. April 2026 fand mit Unterstützung von alumni UNI Graz, der Studienrichtungsvertretung Pädagogik sowie des Instituts für Erziehungs- und Bildungswissenschaft eine Bildungsfahrt in das ehemalige „Mord-Schloss“ der Nationalsozialisten statt. Zwischen 1940 und 1944 kamen hier ca. 20.000 Menschen mit Behinderung oder psychischen Erkrankungen, KZ-Häftlinge, sog. „Asoziale“ oder ausländische Zwangsarbeiter in der Gaskammer zu Tode. Die Studierenden und Absolvent:innen besuchten nach der Führung durch die Gedenkstätte einen Workshop zum Thema „Der optimierte Mensch“. Im Sinne der Erinnerungsarbeit und unter aktuellen Bezügen beschäftigten wir uns mit der Frage nach dem Wert des Lebens und gesellschaftlichen Ausschlussmechanismen. Die Bildungsfahrt bot die Möglichkeit, sich auf den historischen Ort, an dem so viel Unrecht geschehen ist und der angesichts des Abschieds von Zeitzeug:innen immer bedeutsamer wird, einzulassen und zu gegenwärtigen Aufgaben der Demokratiebildung, Prävention von Rassismus, Antisemitismus u.a. in Austausch zu kommen.
Die Bildungsfahrt wurde seitens des Instituts für Erziehungs- und Bildungswissenschaft begleitet von Verena Marchner, Hannelore Reicher und Katharina Deutsch.
Exkursion in die KZ-Gedenkstätte Mauthausen 2025
Im Studienjahr 2024/2025 fand eine vom EBW-Institut gemeinsam mit der Studienrichtungsvertretung Pädagogik und Studienrichtungsvertretung Geschichte organisierte Exkursion ins ehemalige Konzentrationslager Mauthausen/OÖ statt. Über 40 interessierte Studierende waren dabei. Zum Bericht geht es hier.